Paga Chief Crocodile Pond

Die Ortschaft Paga liegt im nördlichsten Norden Ghanas, direkt an der Grenze zu Burkina Faso. Hier gibt es den Chief Crocodile Pond, einen Großen Teich voller Krokodile (ca. 200), die von den Einwohnern als heilig angesehen werden. Die Legende besagt, dass die Seelen der Ahnen in den Tieren weiterleben.
Erstaunt war ich, als neben den Krokodilen tatsächlich sorglos Kinder badeten, und von den Krokodilen in Ruhe gelassen wurden.
Als ich nachhakte wurde mir erzählt, dass keines der Tiere je einen Menschen angegriffen hat.

Das zweite Drittel

Mitte Oktober, zu Beginn meines Lehrerdaseins in Ghana, habe ich zum ersten Mal über den Schulalltag und die Situation, die ich in meinem Projekt vorgefunden habe, berichtet.

Nach knapp vier Monaten in Ghana habe ich mich jetzt ganz gut in die Schulabläufe integriert und starte viel besser vorbereitet in das zweite Drittel meiner Lehr(er)zeit.
Eine erfreuliche und gute Erfahrung war es, dass die Kinder im Kindergarten, der zur Schule gehört, die mich anfangs als ein neues, weißes Spielzeug ansahen, mich jetzt als einen Teil der Lehrerschaft akzeptieren, und nicht mehr ununterbrochen meinen Unterricht stören, wenn sie gerade Pause haben.

Der erste Term, also das erste Trimester, ging Mitte Dezember zu Ende, und vor einer Woche hat der zweite begonnen. Fünf Tage in der Woche stehe ich um halb 7 Uhr morgens auf, um halb 8 beginnt mein Schulalltag. Wie auch schon im ersten Term, unterrichte ich, helfe meinem Kollegen Malik beim benoten oder beaufsichtige die Kinder in der Schulbibliothek.

Natürlich ist der Schulalltag manchmal eintönig oder anstrengend, zum Beispiel wenn es für mich wenig zu tun gibt oder wenn ich in drei aufeinanderfolgenden Unterrichtsstunden den gleichen Stoff durchnehmen muss, weil die Kinder entweder nicht bereit sind zuzuhören, oder einfach immer die Hälfte der Klasse fehlt.
Viel öfter aber ist es motivierend, wenn die Schulkinder sich auf den ICT (Computerwissen) – Unterricht freuen (auch wenn nicht alle von ihnen gute Noten nach Hause tragen). Denn alle wissen: im ICT Unterricht werden viele Dinge anders gemacht. Der Lehrer hat keinen Stock in der Hand, er verteilt manchmal Belohnungen an fleißige Schüler (Schoko-Bonbons) und er verlangt andauernd von ihnen, eigene Antworten zu finden und nicht nur herunterzubeten, was im Buch steht. Das ist für die meisten nicht einfach, weil sie gewohnt sind, nur das bereits Gesagte zu wiederholen, aber die Abwechslung macht ihnen trotzdem sichtlich Spaß.

Die letzten zwei Wochen vor den Weihnachtsferien habe ich damit verbracht, mit den Schülern den Stoff des Terms zu wiederholen und die Examen für meine Klassen zu entwerfen. Das war eine recht schwierige Aufgabe, denn es waren die ersten längeren Klassenarbeiten, die ich zu entwerfen hatte ( Dauer: 1 ½ Stunden, die Klassentests sind dagegen nur 10-15 Minuten lang) und die Examen sollten natürlich nicht zu leicht und nicht zu schwer für die Schüler sein. Denn sie sind von erheblicher Bedeutung: sie machen ganze 70% der Jahresnote aus. Die restlichen 30% ergeben sich aus benoteten Klassentests und Hausaufgaben.
Die Examen der Primary und Junior Highschools bestehen normalerweise aus zwei Teilen: Im ersten Teil, für den die Schüler eine halbe Stunde Zeit haben, werden 20-30 Multiple-Choice-Fragen gestellt. In meinem Fall waren dies Fragen wie:

“A single click is used to
a) select an item on the screen
b) move an item on the screen
c) open an item on the screen.”

Das mag zunächst wie eine banale Frage erscheinen, doch man darf nicht vergessen, dass die Kinder, die ja meist erst 10-12 Jahre alt sind, dies kaum üben können, also solche Fragen eigentlich aus ihrem theoretischen Wissen heraus beantworten müssen.

Im zweiten Teil der Examen werden den Schülern zwei verschiedene Kompositionsaufgaben – in denen es darum geht, selbst Texte zu verfassen – vorgestellt, von denen sie eine wählen und dann bearbeiten müssen.

Benotet wird nach einem Punktesystem, maximale Punktzahl ist 100. Bei den Ergebnissen meiner Klassen war von 0/100 bis 95/100 alles drin. 0 Punkte, das klingt hart, aber einige der Schüler besuchen einfach nicht den Unterricht oder bleiben sogar unentschuldigt von den Examen fern.

Eine Erkenntnis ist mir nach dem Ablauf einer Drittel meiner Zeit in Ghana besonders wichtig: Das Dasein als Lehrer in Ghana ist nicht leicht, weder für mich noch für meine afrikanischen Kollegen. In einem Klassenzimmer sitzen manchmal bis zu 60 Kinder, und es fehlen oft Unterrichtsmaterialien, ob nun Hefte, Arbeitsblätter (die gibt’s so gut wie nie), oder gar Computer. Dazu mehr in meinem nächsten Beitrag, der kommt voraussichtlich morgen!

Mein Projekt

Entlang den zerbröckelten Straßenrändern Agona Swedrus ergießen sich kleine Sturzbäche. Meine Kleidung ist nass vom Regen, mein Körper vom Schweiß. Der Regen hat die rote Erde aufgeweicht, sodass ich auf der Straße laufen muss, noch näher an den hupenden und viel zu schnell fahrenden Autos. Einen Gehweg gibt es nicht. Ich bin auf dem Weg zur Schule. Und – natürlich – spät dran.

In der Schule angekommen, ist mein erster Weg zum Lehrerzimmer, und ich bestätige mit meiner Unterschrift im Attendance Book, dass ich anwesend bin. Danach steht erst einmal nichts an, meine erste Stunde ist erst um 8:15. Ich nutze die Zeit um in der Schulbibliothek, die gleichzeitig mein „Office“ ist, meinen Unterricht vorzubereiten, Hausaufgaben zu korrigieren, oder die Bibliothek in Ordnung zu bringen. In der Pause habe ich die Aufsicht in der Bibliothek, sie ist bei den Kindern auch sehr beliebt. Gelesen wird allerdings wenig, interessant sind nur die vielen Bilder. Wer weiß, vielleicht schaffe ich es ja, daran etwas zu ändern.

Heute habe ich 3 Stunden Unterricht (Primary 3 – 5) plus Aufsicht, plus Unterricht vorbereiten. Allzu langweilig wird mir also nicht. Die reguläre Schule geht bis 2 Uhr. Heute bin ich bis halb 3 beschäftigt. Es ist heiß und stickig in den Klassenzimmern, die Lehrerschaft ist ein bisschen schlechter gelaunt als sonst. Kein Computer läuft (außer meinem, bei dem die Spannungsschwankungen den Akku noch nicht zerstört haben), und kein Ventilator dreht sich. Es gibt keinen Strom, da die Schule anscheinend Schulden beim Stromanbieter hat. Gute Voraussetzungen für den Computer – Unterricht.

Wenn es mal Strom gibt, sind die Voraussetzungen aber besser als in anderen Schulen Agona Swedrus:

Das Computerlab

Das Computerlab – sobald die Kamera gezückt wird, herrscht Chaos.

Das Computerlab ist laut GLOVO das beste der Stadt. Es gibt 11 Computer, das ist schon sehr viel, leider funktionieren davon im Moment nur 3. In den folgenden Wochen werde ich versuchen, mit der Hilfe einer meiner Kollegen einige Computer zu reparieren.

Das Wochenende habe ich in Kokrobitey verbracht, einem Ort in der Greater region of Arccra. Zusammen mit 12 anderen Freiwilligen habe ich 2 Tage lang Strand und Musik genossen. Davon gibt’s in Kürze einige Bilder!

Vom Malaria haben, und nicht haben

– „You have Malaria.“

„ – ?!“

– „Are you afraid of Malaria?“

„Of course I’m afraid of malaria!!“

– „Hahahaha..“

Schon viel zu lange habe ich nichts mehr von mir hören lassen. Und genauso viel ist in der Zwischenzeit passiert. Einzelheiten davon:

Im Swedruer Krankenhaus wurde mir am Sonntag, nach einer Blutuntersuchung, Malaria diagnostiziert. Dort ergab sich dann auch (nach mehreren Stunden warten, im Wartesaal, zusammen mit sowohl Patienten als auch mit Hühnern) das oben wiedergegebene, extrem ermutigende Gespräch.

Im Anschluss daran habe ich mich – entsprechend der ärztlicher Anordnung, mit Medikamenten gegen Malaria und mit einem Antibiotikum vollgepumpt, die meinen Zustand nicht gerade verbesserten, bis ich dann am Mittwoch in Begleitung von zwei weiteren Freiwilligen bei der Botschaftsärztin in Accra war, die mich dann noch einmal auf Malaria testete: Negativ. Die Ärztin erzählte mir auch, dass im Government Hospital von Swedru fast alle Malariatests positiv ausfallen würden und dass man, wenn man einen sicheren Test machen wolle, schon nach Accra kommen müsse. Nach Absetzen der Medikamente geht es mir jetzt auch schon fast wieder gut.
Malaria gehört zu den wichtigsten Infektionskrankheiten weltweit und kann im Fall der von Plasmodium falciparum verursachten Malaria tropica, besonders bei Kleinkindern und anderen Personengruppen mit mangelndem Immunschutz, rasch zum Tod führen. Durch den anfangs grippeähnliche Infektionsverlauf, dessen Symptome von vielen anderen in den Risikogebieten verbreiteten Infektionskrankheiten kaum zu unterscheiden sind, wird eine Behandlung oftmals zu spät eingeleitet oder verursacht unnötige Kosten innerhalb eines Gesundheitssystems, dessen finanzielle Grenzen längst überschritten sind.

In vielen der von Malaria betroffenen Gebiete besteht zusätzlich zu den mangelnden Ressourcen auf allen Ebenen der Gesellschaft — vom staatlichen Gesundheitswesen bis zur einzelnen Familie oder sogar der mittellosen Zweitfrau — anscheinend eine allgemeine Gleichgültigkeit gegenüber Krankheitssymptomen, auch bei Kleinkindern.

Wird eine Malaria diagnostiziert, werden oft billige und schlecht verträgliche Medikamente verschrieben – soauch die Warnungen in den Reiseführern – . Die Zeit der Arbeitsunfähigkeit (oder des Fernbleibens von der Schule) wird so noch verlängert, was wiederum zu einer schlechteren finanziellen Lage oder einer ungenügenden Schulbildung führt.

Die finanzielle Seite der Malariabekämpfung ist ein großes Problem.
Nicht zuletzt aus diesem Grund gibt es seit einigen Jahren Initiativen, die nach Mitteln suchen, eine Malariabekämpfung jenseits der Pharmaindustrie aufzubauen. Hier ein Link über so einen Versuch.
Und wer mehr über Malaria erfahren will klicke hier.

Mein Heim in Ghana

Das Haus, in dem meine Gastfamilie lebt, ist eines der besseren. Es isMein Gastbruder kocht Banku - ein traditionelles ghanaisches Gerichtt nicht weit vom Krankenhaus von Swedru entfernt, was aber nach meinen bisherigen Krankenhauserfahrungen seinen „schönen“ Klang verloren hat. Es gibt fast immer Strom, aber kein fließendes Wasser. Mein Zimmer ist groß, drinnen stehen zwei Betten und ein Schreibtisch. Es ist nicht direkt in der eigentlichen Wohnung meiner Gastfamilie, sondern hat einen eigenen Eingang, direkt neben der Wohnungstür, so wie eine Einzimmerwohnung. Wenn die Türe offen ist, und ich da bin, turnen hin und wieder meine kleinen Gastbrüder und Schwestern und ihre Freunde drin herum, und durchsuchen meine Sachen mit frecher Neugierde. Sehr unterhaltsam.

Fernweh

Heute ist der richtige Tag um anzufangen. Ein regnerischer Montag, es gibt nicht viel zu tun. Der richtige Zeitpunkt, um den wie immer und überall schwierigen Anfang zu machen.

Gestern bin ich von meinem einwöchigen Vorbereitungsseminar zurückgekommen. „Vorbereitungsseminar“ – das hört sich ziemlich trocken an. War es aber überhaupt nicht. 37 Freiwillige, die im September mit dem Deutschen Roten Kreuz nach Peru und Ghana reisen, haben sich eine Woche lang intensiv ausgetauscht und über die unterschiedlichsten Themen diskutiert, haben in Gruppen Interkulturelle Aspekte und Sozialkompetenz sowie Gesundheitsvorsorge thematisiert. Man hat sich untereinander kennengelernt und Kontakte geknüpft. Die Woche hat viel Spaß gemacht, und so langsam fühle ich mich ganz gut vorbereitet, ein Jahr lang in Ghana zu leben.

Es stehen aber noch viele Vorbereitungen an, auch wenn ich in den letzten Wochen wichtige Dinge erledigt habe: Ich wurde gegen Gelbfieber, Tollwut, Typhus, Hepatitis A, B und Meningokokken geimpft, ich habe mit verschiedenen Tropenärzten über Malariaprophylaxe gesprochen. Trotzdem fehlen mir noch einige Folgeimpfungen sowie die Polioimpfung. Ich habe Kontakt mit einem ehemaligen weltwärts-Freiwilligen in Ghana aufgenommen, mit dem ich mich jetzt immer wieder austausche, denn natürlich hat man vor so einem großen Schritt unendlich viele Fragen, von denen – zum Glück, so muss man flexibel bleiben – auch viele unbeantwortet bleiben werden. Morgen werde ich endlich meinen Reisepass beim Bürgerbüro abholen können, dann kann ich auch endlich mein Visum beantragen. Weg mit den Hindernissen, die meiner Reise noch im Wege stehen!

Mehr Infos zur Trägerorganisation und zum „weltwärts“ Programm folgen in Kürze!