Das ghanaische Schulsystem

Es gibt in Ghana den Kindergarten (Caging), die Primary school (BS für Basic school), die Junior Highschool und die Senior Highschool.Für Ghanaer ist die Grundschule und und die Junior Highschool (JHS) kostenlos. Ab der SHS kostet die Schule.

Mit 4 Jahren werden die Kinder zum Caging geschickt – Caging, das klingt schlimm, ist aber anscheinend nur eine Abkürzung für Kindergarten.
Trotzdem ist das Caging nicht mit einem deutschen Kindergarten zu vergleichen. Die Kinder sitzen in einem Klassenzimmer, lernen Buchstaben und müssen wieder und wieder bestimmte Kindergedichte aufsagen wie zum Beispiel:

A Lion
A Lion has a tail.
It has a big head
and a very small waist
and a very small waist.

Zum Caging geht man im Optimalfall 2 Jahre, bis man 6 Jahre alt ist. Danach geht man in die Grundschule. Diese dauert 6 Jahre, Der Musterschüler beendet also die Primary School mit 12 Jahren.
Danach geht’s weiter zur JHS, der Junior Highschool. Diese dauert 3 Jahre. Nach der JHS kommt die SHS, die Senior Highschool (3 Jahre). Man kann also rein theoretisch mit 17 – 18 Jahren seinen Highschoolabschluss machen, was allerdings weniger häufig vorkommt.
Nach der Highschool kann man dann die Universität besuchen, was allerdings viele Studiengebühren kostet.

Viele Kinder fangen spät an zur Schule zu gehen, oder wechseln von einer Dorfschule an eine städtische Schule. Zwischen Dorf- und städtischen Schulen gibt es oft Unterschiede bezüglich der Leistungsanforderungen und wenn die Kinder den Einschulungstest nicht bestehen, werden sie in eine niedrigere Klasse geschickt. Das führt zu einem großen Altersunterschied in den Klassen. Ab der Senior Highschool ist ein weiteres Problem, dass die Eltern der Kinder teilweise nicht genug Geld haben, um ihre Kinder zur Schule zu schicken. Es kommt also häufig vor, dass ein Schulkind nicht mehr zur Schule gehen kann, weil das Geld nicht ausreicht. Sobald wieder genug Geld zur Verfügung steht, kann das Kind dann auch wieder die Schule besuchen. Außerdem müssen in Ghana etwas mehr Schüler die Klassen wiederholen, was wiederum den Altersunterschied erhöht.

In einer staatlichen ghanaischen Schule gibt es keine mündlichen Noten. Dafür werden jede Stunde benotete „Excercises“ oder benotete Hausaufgaben gegeben.Das Schulsystem arbeitet also viel mehr mit Notendruck als das deutsche.
So etwas wie Gruppenarbeit gibt es in Ghana wenig bis gar nicht. Der Unterricht beschränkt sich meistens auf Frontalunterricht, mit passiven und wenig eingebundenen Schülern.
Jeder Lehrer hat immer – egal wo er sich gerade in der Schule befindet – einen Stock dabei. Wenn ein Kind nicht hört, nicht aufpasst oder etwas verbotenes tut, kommt der Stock zum Einsatz.

Auffällig und für mich höchst befremdlich ist dabei, dass es für die Kinder zwar schlimm ist wenn sie selbst geschlagen werden, wird aber ein anderes Kind aus der Klasse geschlagen, dann freuen sich alle anderen. Es kommt auch nicht selten vor, dass Kinder in der Stunde zu mir kommen und mir sagen „Sir, this boy is talking/fooling! Kane him!“.

Am kommenden Freitag wird es in Ghana Wahlen geben. Dabei hat eine der zwei führenden Parteien das Wahlversprechen „Free education“ abgegeben bei dem auch die SHS gebührenfrei werden soll. Ob das im Moment in Ghana möglich ist und/oder ob das Wahlversprechen eingehalten und erfüllt werden wird, muss die Zukunft zeigen.

Es kommen bald wieder Bilder!

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