Schuldisziplin

Die Klassen an ghanaischen Schulen sind oft riesig. Manchmal sind bis zu 60 Kinder in einer Klasse, deshalb unterrichte ich mittlerweile immer nur die Hälfte der Klasse auf einmal, und dann jede Klasse 2 x pro Woche, ein Mal die Jungen, ein Mal die Mädchen.

Der Unterricht macht Spaß, ist aber oft auch sehr anstrengend, denn viele der Schüler sind nur sehr schwer für den Computerunterricht zu motivieren. Was gut nachvollziehbar ist, denn die meisten Familien haben keinen Computer zuhause, das heißt, die Kinder können das Gelernte nicht selbst anwenden. Nicht mal im Unterricht können sie selbst aktiv werden, denn dafür stehen nicht genügend Computer zur Verfügung.

Auf der anderen Seite gibt es einige, die interessiert und gut motiviert sind und die mein Lehrerdasein mit eigenen Ideen und Eigeninitiative aufhellen. Das sind vor allem diejenigen, die auch zuhause Zugang zu einem Computer haben. Die anderen Kinder haben – eben weil sie nichts selbst ausprobieren können – nur das Wissen, das schon im Unterricht besprochen wurde.

Ein weiteres Problem ist Unregelmäßigkeit, mit der die Schüler den Unterricht besuchen. Oft fehlt bis zu ¼ der Klasse. Warum dies der Fall ist kann ich nur vermuten. Sicherlich spielen Krankheiten wie Malaria und somit Krankheitsbedingtes Fehlen eine große Rolle.

Aber das ist sicherlich nicht der einzige Grund. Ein Beispiel: In der ganzen ersten Woche des neuen Terms waren häufig nur wenige Kinder pro Klasse anwesend. Warum? Die Schuldirektorin erklärte mir, die Eltern würden die Kinder wegen des Kalten Wetters nicht zur Schule schicken. Tatsächlich war es zu dieser Zeit – vor allem nachts – etwas kühler als sonst. Für das südliche Ghana bedeutet das, dass es tagsüber manchmal 30°C statt 35°C warm war. Wie das ein Grund für die Eltern sein kann, ihre Kinder nicht zur Schule zu schicken, ist mir bisher ein Rätsel.

Doch auch aus ganz anderen Gründen als dem Fehlen von Schülern oder (wenn weniger Schüler fehlen) den völlig überfüllten Klassen, gestaltet sich der Unterricht oft schwierig: In meinem Fall ist es der Mangel an funktionierenden Computern, was den Computer-Unterricht sehr erschwert, denn die Kinder haben so nicht die Chance, aktiv zu lernen – das heißt, Dinge am Computer selbst auszuprobieren.

Wie schon in meinem früheren Artikel „Mein Projekt“ angekündigt, habe ich mit einem meiner Kollegen bei jedem der kaputten Computer nach dem Problem gesucht, und wir haben eine Liste mit fehlenden Komponenten erstellt, die benötigt werden, um die PCs zu reparieren. Diese Liste haben wir dann an die Schuldirektorin weitergegeben, in der Hoffnung, sie würde uns Geld für den für den Einkauf zur Verfügung stellen. Die Schule besitzt aber im Moment nicht die nötigen Mittel, die Komponenten zu besorgen, es müssen erst Elternabende organisiert werden, bei der die Direktorin die Eltern bitten will, die Reparaturen mitzufinanzieren. Somit liegt das Projekt vorerst auf Eis.

Daran, dass von 11 Computern im Computerlabor nur 3 funktionstüchtig sind, hat sich also seit meiner Ankunft im Projekt nichts geändert. Die Zahl der funktionierenden PCs ist sogar noch von 3 auf nur 2 geschrumpft.

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Und Los geht’s…

Die Koffer sind gepackt (fast) und ich bin bereit für die Reise.
Viel Zeit zum Nachdenken bleibt nicht mehr, jetzt geht alles ganz schnell.
Die letzten Tage zuhause sind gut verlaufen.
Noch einmal mit all denen zusammenkommen, die einem wichtig sind: Freunde, Familie.
Da ich meine Gitarre mit auf die Reise nehme, kann ich nicht ganz so viel Gepäck mitnehmen wie es mir eigentlich erlaubt gewesen wäre. Was ich aber gut verkraften kann, weil 46 kg (2x 23) schon eine ganze Menge sind und sich meine Garderobe in Grenzen hält. Mein eines Gepäckstück wiegt 22 kg, der Gitarrenkoffer, vollgestopft mit allem Möglichen das noch hinein passte, wiegt 15 kg.

Die Aufregung steigt. – bis bald, Deutschland.
Den nächsten Eintrag gibt’s aus Ghana!