Update: Basic Schools Computerisation Project

Letzte Woche habe ich zusammen mit meinem Kollegen alle Laptops formatiert und dann Microsoft Windows auf ihnen installiert. Das Bildungsministerium gab uns zwar die Anweisung, keine Änderungen an den Computern vorzunehmen, aber so kann ich meine Schüler jetzt sinnvoll unterrichten.
Zum ersten Mal seit meiner Ankunft an der Schule ist es den Kindern jetzt also möglich, das Gelernte am PC selbst anzuwenden.
Und das macht Spaß! Selbst wenn die Hälfte der Unterrichtsstunde verstreicht, bis jeder Schüler ein Mal das Programm „Paint“ geöffnet hat.

Im Moment findet jedoch kein planmäßiger Unterricht statt. Stattdessen treffen sich viele Grund- und Mittelschulen Swedrus an der großen „School of Business Agona Swedru“ für ein alljährliches Sport-Event, bei dem Wettkämpfe zwischen den verschiedenen Schulen stattfinden. Die ersten zwei Tage waren die Disziplinen vorwiegend Athletik (Von 100 bis 4000 Meter Lauf, Hochsprung, Weitsprung usw.) seit Gestern sind Teamsportarten (Fußball, Volleyball, Handball) an der Reihe. Das Event ist zwar wohl vorwiegend für Lehrer und Schüler, aber es kommen auch viele Eltern der Kinder, um zuzuschauen, und/oder bei der Gelegenheit Essen und Getränke (Fritierte Bananenchips, Meatpie – eine Teigtasche mit Fleischfüllung, Frühlingsrollen, gebratene Fleischspieße, Popcorn, Orangen, Wasser natürlich und vieles mehr) zu verkaufen. Das Programm geht täglich von morgens um 8 bis abends um 5, wobei auch oft Mal eine halbe Stunde bis Stunde gar nichts passiert. Damit man es auch den ganzen Tag unter der Sonne aushält, sind um den Sportplatz herum Pavillons aufgestellt worden, die zumindest meine Kollegen und Schüler schützen (Ich habe trotzdem Sonnenbrand). Ich habe im Moment keine Kamera zur Verfügung, deshalb gibt es diesmal leider keine Bilder.

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Basic Schools Computerisation Project

Das Basic Schools Computerisation Projekt ist ein Projekt vom ghanaischen Bildungsministerium und RLG Communications, einer ghanaischen Computerfirma, das am 12.Sept.12 gestartet wurde. Im Rahmen des Projekts sollen über 60.000 Laptops an ghanaische Grund- und Mittelschulen verteilt werden, mit dem Ziel, jedem Schüler Zugang zu einem Computer zu verschaffen.
Außerdem hat das ghanaische Bildungsministerium begonnen, weitere ICT Lehrer auszubilden, die dann an Schulen geschickt werden sollen, an denen es keine oder wenige kompetente ICT Lehrer gibt.
Da manche Schulen im Land keinen Strom zur Verfügung haben, wurden außerdem Gespräche mit Stromanbietern aufgenommen, mit der Absicht, jeder Schule einen Stromanschluss zu verschaffen.

Als vor 2 Tagen plötzlich 15 in Kartons verpackte Laptops vor meinem Computerraum standen, habe ich mich natürlich riesig gefreut. Unterricht mit 2 Schülern pro Computer wäre schon eine tolle Sache.
Die Sache hat aber einen Haken: Auf den Computern ist das kostenlos im Internet downloadbare Betriebssystem Linux (Ubuntu) installiert, und nicht Windows.Der Lehrplan besagt aber, dass den Kindern Windows beigebracht werden soll und genauso sind auch die Schulbücher für Windows ausgelegt.
Als Grund für das verteilen von Computern mit Linux gibt das Bildungsministerium an, dass es so gut wie keine Vieren für Linux (Ubuntu) gibt, und dass die Computer so besser geschützt und leichter instand zu halten wären.
Das stimmt zwar, ich selbst vermute aber, dass es viel mehr einfach zu teuer ist, tausende Computer mit Windows auszustatten, für das man käuflich erworbene Lizenzen braucht.

Im Computerraum stehen jetzt also 15 Laptops, die die Schüler eigentlich gar nicht verwenden können, da sie sich mit dem neuen Betriebssystem nicht auskennen.
Es wäre zwar möglich, jetzt anzufangen den Kindern beizubringen wie man mit Linux umgeht, aber spätestens wenn die Schüler in einem, zwei oder drei Jahren in die Junior Highschool kommen, wird in den Examen wieder Wissen um das Windows Betriebssystem abgefragt.
Das Bildungsministerium hat zwar in Aussicht gestellt, dass die Computer nach und nach auch mit Windows-Betriebssystemen ausgestattet werden sollen, aber wann das der Fall sein wird, ist noch unklar.

Was also tun? Vom Lehrplan abweichen und die Schüler vielleicht nur verwirren, oder die zur Verfügung gestellten Computer nicht verwenden?